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Kuschelpop

Wollte hier noch Werbung für die Ausstellung von bereits vorgestellter, lieber Freundin, Evelyn Kopp und ihrer Künstlerkollegin Juliane Spingler machen.

Vernissage ist diesen Freitag, den 13.11.2009, Beginn um 19 Uhr in der Orgelfabrik Durlach.

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Natürlich mit riesigem Spaßfaktor. Einfach vorbeischauen!

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Verwaldet

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„Master Rabbit“; Acryl, Bienenwachs & Pigment auf Leinwand ; 14*17cm; September 2008

Du bist seit Stunden spazieren. Genießt die Sonne, die umherfliegenden Käfer und das beständige Rauschen des Laubs. An schönen Stellen setzt du dich für einige Minuten, saugst die Bilder in dich auf und klebst sie liebevoll und sorgfältig in ein kleines Buch, das du immer bei dir trägst. Dann gehst du weiter. Wenn du an eine Weggabelung kommst, holst du deinen Plan hervor, um dich zu orientieren. Nicht um den schnellsten Pfad zum Ziel zu finden. Du suchst den schönsten, mit den meisten Schmetterlingen, der weitesten Aussicht und den mit dem größten Abenteuerpotential. Kleine Kletterpartien. Felsiges Terrain. Schmale Bachläufe die es zu durchlaufen gilt. Selbstverständlich nichts, was dir tatsächlich schaden könnte. Wer will das schon?

Wenn es dämmert, freust du dich über den Kulissenwechsel. Am schönsten ist es, wenn der Boden an deinen Beinen heraufkriecht, gerade bis zu deinen Fingerspitzen, so dass du ihn aufwirbeln und dich darin verkriechen kannst. Dann schaust du durch die gestiegene Oberfläche in ein dunkelblaugraues Loch in dem Abermillionen verglimmender Glühwürmchen auf Partnersuche sind. Der Laubgesang wird des Nachts von einer gefräßigen Stille geschluckt, die nur selten, dann aber umso heftiger, von unheimlichen Lauten erschüttert wird. Du kugelst dich wohlig zusammen und zitterst vor Angst. Wie schön doch ein wenig Grusel ist!

Du tappst im Dunkel weiter, singst von Mädchen aus Zimt und lässt dich von dem anschwellenden, weit entfernten Tönen nur für wenige Sekunden beunruhigen, in denen du allerdings, das musst du dir eingestehen!, kurz davor bist schreiend davonzulaufen; doch bald hast du dich daran gewöhnt, hörst nur noch deine eigene Melodie, die du lauter und immer lauter anstimmst. Stündest du hinter dir – du hättest nicht nur die Beine in die Hand genommen.

Über dir schlägt die Welt zusammen. Wächst um um dich in die Höhe und klappt ihr Maul zu. Reißt dich tiefer, schluckt dich und speit dich unverdaut an anderer Stelle wieder aus. So hast du dir dein kleines Abenteuer nicht vorgestellt. Als du nach deinem Plan tastest, stellst du fest, dass du dich wohl ab sofort auf deine Intuition verlassen musst. Schade nur, obwohl du immer davon geprahlt hast „Entscheidungen meist aus dem Bauch“ zu treffen, musst du nun feststellen, dass du dich mit der Intuition scheinbar noch nicht einmal bekannt gemacht hattest. Eine andere Sprache spricht sie wohl auch. Zum Glück hast du noch dein Büchlein, das wird dich beruhigen. Wenn du es der Intuition zeigst, versteht sie hoffentlich besser, wie sie zu funktionieren hat.

Du schlägst es auf, doch alles erscheint dir fremd. Nein, ganz klar. Es ist dein Buch! Du kennst deine Handschrift. Richtig. Und trotzdem ist nichts mehr an seinem Platz, alles durcheinander gewirbelt. Und obwohl du es ja selbst geordnet hattest, weißt du plötzlich nicht mehr, was an welche Stelle gehört. Als hättest du den Bezug zu deinen eigenen Erinnerungen verloren. Wo sind die Biester eigentlich hin verschwunden? Alles in Ordnung. Ruhe bewahren. Wir haben also etwas verloren. Und was macht man, wenn man etwas verloren hat? Richtig. Man geht soweit zurück, bis man wieder dort ist, wo auch das Ding sein muss.

Und wenn das nicht geht? Ich fühle mich heute irgendwie verwaldet.

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