Archiv der Kategorie: Film

Jukebox: Meine Helden – Teil 3: George

George von den Famous Five

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Wegen Georgina alias George von Enid Blyton’s Fünf Freunden (2.v.l.) hatte ich mir mal ganz fest vorgenommen, nie durch „niedlich sein“ an mein Ziel zu gelangen. Weil George als Mädchen immer etwas mutiger ist als die Jungs bei den Fünf Freunden. Weil sie die Freunde voran bringt, ohne dabei die sehr vorsichtige, ängstliche Anne zu vergessen,  sie immer wieder zu beruhigen, ihr die Angst zu nehmen und sie dazu zu ermutigen sich selbst einzubringen.

Gegen George hatte ich, dass sie nicht nur dickköpfig ist, sondern häufig ihren eigenen Willen als sehr viel wichtiger bewertet als den von anderen. So treu sie auch ihrem Hund Timmy gegenüber ist (für den sie sich wohl ein Bein abschneiden würde)- dem Rest der Freunde ist sie gerne mal im Alleingang weggerannt um vorwärts zu kommen.

Was daraus geworden ist, ist ein Etwas, das es nicht immer geschafft hat, der Versuchung zu widerstehen durch „niedlich sein“ zu dem zu kommen was es will. Vorallem von der Idee, dass man sein Frau sein nicht positiv einsetzen darf, bin ich ein wenig abgekommen. Was ist das schon für eine Form der Emanzipation, wenn man versucht sich so männlich wie möglich zu benehmen? Nein, nein… Lieber ein bisschen mehr Georgina als George.

So jetzt dürft ihr wieder nach Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminza Efraimstochter Langstrumpf schreien! Oder euch noch etwas gedulden. Ich wurde eben von vielen Kindheitshelden geprägt :).

In der Zwischenzeit, könnt ihr mir ja erzählen, wer euch beeinflusst hat und was heute davon übrig geblieben ist.

Vielen Dank an dieser Stelle für die vielen Klicks der letzten Woche. Jetzt hätte ich nur gerne noch ein wenig mehr Beteiligung von den bisher heimlichen Klickern :).

Bis dahin – Euer Etwas. Für mehr Publikumsbeteiligung!

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Le Scaphandre Et Le Papillon

… zu deutsch Schmetterling und Taucherglocke. Wollte ich schon lange sehen und bin doch nie dazu gekommen. Hauptsächlich deswegen, weil es irgendwie kein Film für einen netten Abend ist, sondern einer, für den man sich eine ruhige Stunde nehmen sollte.

Die hatte ich, und es hat sich mehr als gelohnt. Schmetterling und Taucherglocke erzählt den Beginn der Geschichte von Jean-Dominique Baubys zweiten Lebensabschnitt. Seinem Leben in Gefangenschaft.

Nach einem Schlaganfall erwacht Jean-Do und muss feststellen, dass er vollständig gelähmt ist, nicht mehr sprechen kann- gefangen im eigenen Körper.  Locked In Syndrom wird ihm diagnostiziert. Immer wieder wird ihm gesagt, es gäbe Hoffnung. Im Off: Jean-Dos Gedanken. Seine Stimme, die erloschen ist. Die außer ihm selbst, niemand mehr hören kann. Der Zuschauer sieht den größten Teil des Films aus seiner Perspektive: Mit stark eingeschränktem Gesichtsfeld und nur wir dürfen direkt an seinen Gedanken teilhaben, die er Freunden, Therapeuten und Familie nur noch über Augenzwinkern (Ja/Nein) mitteilen kann. Immerwieder wird ihm ein abgewandeltes, nach der Häufigkeit des Vorkommens der Buchstaben in der (franz.) Sprache sortiertes Alphabet vorgesprochen.

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E-S-A-R-I-N-T-U-L-O-M-D… D?…Ja?.. Also der erste Buchstabe ist D. Gut. E-S-A-R. R oder A? A? Also Da. E-S-A-R-I-N… N. E-S-A-R-I-N-T-U-L-O-M-D-P-C-F-B-V-H-J-Z-Q-Y-X-K. Danke?…Danke.

Gesucht wurde nach jemandem mit Geduld. Viel Geduld. Und so diktiert Jean-Do Buchstabe für Buchstabe seine Autobiografie, durch Blinzeln beim entsprechenden Buchstaben. Jean-Do, ehemaliger Chef-Redakteur der Elle, dessen Leben aus teuren Autos, Mode und vielen anderen Oberflächlichkeiten bestand, ist gezwungen mit seinen Gedanken allein zu sein. Zwischen Verzweiflung, Resignation und Einsamkeit, wie sie wohl kaum jemand kennt, keimt in ihm Hoffnung auf. Winzig, aber vorhanden. Sein Ausbruch aus der Taucherglocke sind seine Phantasie und seine Erinnerungen. Und so wird der starre Blick Jean-Dos und somit der des Zuschauers immer wieder geöffnet, entführt. Auf eine Reise durch sein erstes Leben, Träume und Alpträume. In wunderschönen Bildern, von surrealer Leichtigkeit.

Ein sagenhafter Film, voll Tragik, ohne auch nur im allergeringsten kitschig zu werden. Genial umgesetzt, bringt er einen trotz des Dramas, ob Jean-Dos wachsenden schwarzen Humors und seines Trotzes, immer wieder zum lächeln.  Ich habe noch nie eine so fantastische Kameraführung erlebt, der Film wächst aus ihr und wird riesig. Ein Geniestreich.

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Last Day Dream – Life in a minute

Wundervoller Kurzfilm von Chris Milk.  Entdeckt auf Nerdcore.de.

Manchmal kommt mir mein Leben so vor. Wie ein Stolpern von Ereignis zu Ereignis. Was dazwischen passiert ist schnell vergessen und bedeutungslos im Vergleich zu einigen wenigen Augenblicken. Wahrscheinlich sieht jedes Leben, wenn man es zu guter Letzt rafft und nur noch ein paar wenige Highlights setzen darf, in etwa so aus:

Irgendwie traurig. Das ändert nichts an der Tatsache, dass die Idee sehr schön umgesetzt ist. Gut, dass ich mich an Kleinigkeiten freuen kann, die hoffentlich ganz viel Zeit fressen werden, wenn irgendwann mal mein Life-in-a-minute Film gedreht wird. Ich hätte da nämlich gerne ganz viele minimoments, die den Typ vom Life-in-a-minute Schnitt davon überzeugen, dass ich ganz, ganz dringend etwas Extra-Zeit zum Erinnerungen festhalten brauche.

Stellt euch vor ihr habt eine Minute. Und mehr dürft ihr nicht behalten.

Grausame Vorstellung für euer Etwas, dessen größte Phobie, die vor dem Vergessen ist.

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Der Fremde Sohn – Changeling

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Gestern habe ich Clint Eastwoods neuesten Film „Der Fremde Sohn“ (OT: „Changeling„= Kuckuckskind, Wechselbalg) gesehen.

Die Notiz „Eine wahre Geschichte“ bringt mich selten dazu einen Film zu sehen. Aber bei diesem Film kommt während dem Sehen nicht daran vorbei sich zu wünschen, dass möglichst viel an der Geschichte der Effekthascherei wegen dazuerfunden wurde.

Angelina Jolie spielt Christine Collins, deren Sohn Walter 1928 verschwand. Nach Monaten der Suche erhält sie vom LAPD gute Nachrichten – ihr Sohn wurde gefunden. Doch bei der Übergabe (siehe Bild) muss sie feststellen, dass der Polizei ein Fehler unterlaufen ist.

Der gefundene Junge ist nicht ihr Sohn. Ab diesem Moment wird es wirklich interessant, denn sowohl die Polizei, als auch der Junge selbst beharren darauf, dass sie sich irren muss.  Immerhin seien 5 Monate vergangen, der Junge habe Schlimmes erlebt und sich verändert.

Die Atmosphäre wird giftig. Das Verhalten des Jungen gegenüber Collins zeigt, dass dieser (aus welchen Gründen auch immer) vor der Polizei eine Rolle spielt. Die ihres Sohnes, der verschwunden bleibt. Als Collins weiterhin versucht, die Polizei zum Fortsetzen der Suche nach ihrem wirklichen Sohn zu bringen, wird sie von in eine geschlossene Anstalt überführt und somit Handlungsunfähig gemacht: die LAPD hat einen Ruf zu retten und konstruiert den Fund eines vermissten Kindes um vor der Öffentlichkeit wieder besser dazustehen.

Der Film entwickelt sich zu einem politischen Psycho Thriller: die Polizei wird immer weiter als korrupt enttarnt, die damaligen Methoden in der Psychatrie lassen es zu, dass geistig Gesunde wie Kranke unter Umständen „gehalten“ werden, die jeden noch Gesunden in den Wahnsinn treiben müssen und es taucht ein 16-jähriger Junge auf, der von circa 20 Kindermorden berichtet, bei denen er unter der Drohung er müsse sonst auch sterben zur Beihilfe gezwungen wurde.

Die Einsamkeit und Hilflosigkeit der Mutter haben mir beinahe physische Schmerzen bereitet, wozu merkwürdigerweise auch die befremdlich kühle und gefasste Art dieser beitragen. In vielen Szenen habe ich mir pure Hysterie und Panik herbei gesehnt, um die Atmosphäre dem unfassbaren Wahnsinn der sich abspielt gerecht werden zu lassen. Doch die meiste Zeit spielt Jolie ihre Rolle sehr ruhig, was die verhältnismäßig wenigen Emotionsausbrüche umso gewaltiger wirken lässt und den Zuschauer in die Handlung hineinzieht: man möchte für die Mutter schreien, den Polizisten ins Gesicht springen und sie zum Handeln zwingen.

Was mir fehlt: die Analyse der Beweggründe für das Kuckuckskind bei der Polizeilüge mitzuspielen. Der Film hat zwar bereits Überlänge, aber dafür wäre ich gerne auch noch eine halbe Stunde länger gefesselt geblieben.

Fazit: Clint Eastwood hat ein grausam kühles Meisterwerk von einem Psycho Thrillers geschaffen, auch wenn es mir lieber wäre, die Vorlage dafür sei seiner Phantasie entsprungen. Anschauen.

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Re-cycle

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Gestern habe ich Re-cycle gesehen.

Ich muss sagen, dass ich nachdem mir zu dem Film geraten wurde und ich etwas recherchiert hatte, sehr große Erwartungen an ihn gerichtet hatte: Ein äußerst kunstvoller Horrorfilm also, der nach der ersten halben Stunde immer mehr in Richtung sehr düsterem Fantasy driftet. Schön. Eine junge Schriftstellerin, die ein Buch über Geister schreiben will und plötzlich selbst Paranormales erlebt. Was sie schreibt, scheint sich für sie unmittelbar in die Realität zu verwandeln, doch irgendwann kippt dies und die Realität überholt ihre Schrifstellerkünste. Sie gerät immer weiter in diesen Sog und findet sich bald in einer fremden, grausamen, kalten und toten Welt wieder. Der Welt, in die all das gerät, was in unserer Welt vergessen wurde.

Ich war begeistert und musste ihn so bald wie möglich sehen, obwohl ich kein Horrorfan bin. Es sollte sich ohnehin herausstellen, dass Re-cycle mit gewöhnlichem Horror recht wenig zu tun hat. Dennoch funktionierten in der ersten Filmhälfte die Schockmomente bei mir hervorragend, allerdings weniger wegen der Handlung an sich als wegen der erschreckend überzeugenden Schauspielleistung der Hauptdarstellerin Angelica Lee Sum-Kit deren Angst scheinbar barrierelos auf mich überging. Nachdem ich mich allerdings an diese Grundanspannung gewöhnt hatte, begann ich daran zu zweifeln, ob Re-cycle tatsächlich so viel bieten konnte wie erhofft.
Was das Bildspektakel angeht: Ja, auf jedenfall. Und noch viel mehr. Der Film besteht zu geschätzten 75% aus aufwendigen und gut gemachten Animationen (abgesehen von den Zombiemassen, die auch aus Braindead hätten stammen können). Die erdrückende Stimmung in der Fantasywelt wird auch durch beinahe kitschig anmutende Szenen, in fast farbloser Natur erzeugt, die für mich die schönsten Bilder des Films abgaben, und welche immer wieder von umso erschreckenderen Szenen jäh gebrochen werden.

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Dennoch läuft die Story immer weiter absehbar auf einen Schluss hinaus, der mir so gar nicht schmecken wollte: 

Die Art wie das Thema „Abtreibung“ angerissen wurde, das in einem möchtegern rührenden Showdown Überhand gewinnt, hat mir den Film am Ende völlig verdorben. Nach einer panischen Reise durch einen riesigen Uterus-Tunnel in dem in dieser Welt die abgetriebenen und vergessenen Föten leidvoll heranwachsen; stellt sich heraus, dass das Mädchen, welches Lee aus der Welt heraushelfen will, ihre vor 8 Jahren abgetriebene Tochter ist. Jaja. Rührend. Spätestens als es zu „Mami, Mami. Warum wolltest du mich nicht? Jetzt ist es zu spät.“ und „Du hast gesehen in welcher schrecklichen Welt die abgetriebenen Föten wachsen.“, kam, habe ich innerlich zu kochen begonnen.

Falscher Rahmen für so ein Thema. Falsches Jahrhundert um es so einfach in einer flapsigen Nebenhandlung zwischen Zombies und noch mehr zerfetzten Zombies als falsch abzutun.

Und viel zu Schade um einige wirklich schöne, düstere, bezaubernde Bilder, eingesperrt in einem Film, den ich dieser Thematik wegen einfach nicht mehr empfehlen kann und will.

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