Le Scaphandre Et Le Papillon

… zu deutsch Schmetterling und Taucherglocke. Wollte ich schon lange sehen und bin doch nie dazu gekommen. Hauptsächlich deswegen, weil es irgendwie kein Film für einen netten Abend ist, sondern einer, für den man sich eine ruhige Stunde nehmen sollte.

Die hatte ich, und es hat sich mehr als gelohnt. Schmetterling und Taucherglocke erzählt den Beginn der Geschichte von Jean-Dominique Baubys zweiten Lebensabschnitt. Seinem Leben in Gefangenschaft.

Nach einem Schlaganfall erwacht Jean-Do und muss feststellen, dass er vollständig gelähmt ist, nicht mehr sprechen kann- gefangen im eigenen Körper.  Locked In Syndrom wird ihm diagnostiziert. Immer wieder wird ihm gesagt, es gäbe Hoffnung. Im Off: Jean-Dos Gedanken. Seine Stimme, die erloschen ist. Die außer ihm selbst, niemand mehr hören kann. Der Zuschauer sieht den größten Teil des Films aus seiner Perspektive: Mit stark eingeschränktem Gesichtsfeld und nur wir dürfen direkt an seinen Gedanken teilhaben, die er Freunden, Therapeuten und Familie nur noch über Augenzwinkern (Ja/Nein) mitteilen kann. Immerwieder wird ihm ein abgewandeltes, nach der Häufigkeit des Vorkommens der Buchstaben in der (franz.) Sprache sortiertes Alphabet vorgesprochen.

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E-S-A-R-I-N-T-U-L-O-M-D… D?…Ja?.. Also der erste Buchstabe ist D. Gut. E-S-A-R. R oder A? A? Also Da. E-S-A-R-I-N… N. E-S-A-R-I-N-T-U-L-O-M-D-P-C-F-B-V-H-J-Z-Q-Y-X-K. Danke?…Danke.

Gesucht wurde nach jemandem mit Geduld. Viel Geduld. Und so diktiert Jean-Do Buchstabe für Buchstabe seine Autobiografie, durch Blinzeln beim entsprechenden Buchstaben. Jean-Do, ehemaliger Chef-Redakteur der Elle, dessen Leben aus teuren Autos, Mode und vielen anderen Oberflächlichkeiten bestand, ist gezwungen mit seinen Gedanken allein zu sein. Zwischen Verzweiflung, Resignation und Einsamkeit, wie sie wohl kaum jemand kennt, keimt in ihm Hoffnung auf. Winzig, aber vorhanden. Sein Ausbruch aus der Taucherglocke sind seine Phantasie und seine Erinnerungen. Und so wird der starre Blick Jean-Dos und somit der des Zuschauers immer wieder geöffnet, entführt. Auf eine Reise durch sein erstes Leben, Träume und Alpträume. In wunderschönen Bildern, von surrealer Leichtigkeit.

Ein sagenhafter Film, voll Tragik, ohne auch nur im allergeringsten kitschig zu werden. Genial umgesetzt, bringt er einen trotz des Dramas, ob Jean-Dos wachsenden schwarzen Humors und seines Trotzes, immer wieder zum lächeln.  Ich habe noch nie eine so fantastische Kameraführung erlebt, der Film wächst aus ihr und wird riesig. Ein Geniestreich.

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