Der Fliegenfänger

Habe mir schon vor Wochen vorgenommen, wenigstens über dieses Buch mal wieder etwas zu schreiben. Aber wie das halt so ist, ringe ich mich erst jetzt tatsächlich dazu durch.

Sein muss es auf jedenfall, weil Der Fliegenfänger definitiv ein Erwähnung wert ist.

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Raymond Marks ist 11 und steckt schon gewaltig in der Scheiße. Er ist der Erfinder eines ganz großartigen Spiels, Fliegenfangen, welches er eigentlich eher durch Zufall entdeckt hatte. An seiner Schule entwickelt es sich zum Trendsport:  Die Jungs treffen sich am Fluss, packen ihre Dinger aus und warten bis sich eine Fliege darauf setzt. Ganz ruhig muss man dafür halten. Und dann wird -schnapp- die Vorhaut drüber geklappt. Festgehalten. Fliege tot.  Toll, nicht?

Und damit fängt dann das ganze Schlamassel an. Raymonds Spiel wird gänzlich missverstanden, er fliegt von der Schule, wird später fälschlicher weise als Triebtäter verdächtigt, und und und.  Kurz gesagt: sein Ruf ist schon mit 11 Jahren völlig den Bach runter.

Willy Russell schreibt großartig: das Buch ist in Briefform verfasst. Raymond schreibt an Morrissey. Ja, an den Morrissey von The Smiths, den er vergöttert und dem er mit vollem Einsatz nacheifert.  Morrissey schreibt natürlich nicht zurück, was nicht sonderlich stört, denn man will eigentlich von niemandem mehr außer von Raymond lesen.

Raymond ist 11. Und intelligent. Nur völlig verkorkst und missverstanden. Und irgendwie wunderbar einfach. Einfach zum liebhaben. Und traurig. Ein Melancholiker. Aus Zwang. Eigentlich nämlich lebenslustig. Darf er aber nicht zeigen. Das schönste daran? Das ist alles in seiner Sprache eingefangen. Gigantisch.

Mit dem Blättern kann man hier gar nicht mehr aufhören, weil er sich immer tiefer in Lügen, Missverständnisse und missverstandene Lügen verstrickt. LESEN! Und Tränen lachen.

Achso: Habe ich schon die holprigen,  seitenlangen hyper-pathetischen Reimgedichte von Raymond im Alltags-Slang erwähnt? Traumhaft :). Das Etwas = in love.

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Ein Gedanke zu „Der Fliegenfänger

  1. Logopaede sagt:

    Welch wundervoller Roman. Ich habe ihn vor einigen Jahren gelesen und liebe, liebe, liebe ihn.
    Für unerwartete Geburtstagseinladungen habe ich immer ein Verschenkexemplar zu Hause.

    Ich weiß nicht mehr, wie oft ich „oh, nein“ gesagt habe, als es noch eine Drehung trauriger, skuriler, lustiger wurde.
    Allein, als er mit seiner Mutter gemeinsame musikalische Vorlieben entdeckt und dann …
    Dringende Leseempfehlung; kann ich nur unterstützen.

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