Der Fremde Sohn – Changeling

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Gestern habe ich Clint Eastwoods neuesten Film „Der Fremde Sohn“ (OT: „Changeling„= Kuckuckskind, Wechselbalg) gesehen.

Die Notiz „Eine wahre Geschichte“ bringt mich selten dazu einen Film zu sehen. Aber bei diesem Film kommt während dem Sehen nicht daran vorbei sich zu wünschen, dass möglichst viel an der Geschichte der Effekthascherei wegen dazuerfunden wurde.

Angelina Jolie spielt Christine Collins, deren Sohn Walter 1928 verschwand. Nach Monaten der Suche erhält sie vom LAPD gute Nachrichten – ihr Sohn wurde gefunden. Doch bei der Übergabe (siehe Bild) muss sie feststellen, dass der Polizei ein Fehler unterlaufen ist.

Der gefundene Junge ist nicht ihr Sohn. Ab diesem Moment wird es wirklich interessant, denn sowohl die Polizei, als auch der Junge selbst beharren darauf, dass sie sich irren muss.  Immerhin seien 5 Monate vergangen, der Junge habe Schlimmes erlebt und sich verändert.

Die Atmosphäre wird giftig. Das Verhalten des Jungen gegenüber Collins zeigt, dass dieser (aus welchen Gründen auch immer) vor der Polizei eine Rolle spielt. Die ihres Sohnes, der verschwunden bleibt. Als Collins weiterhin versucht, die Polizei zum Fortsetzen der Suche nach ihrem wirklichen Sohn zu bringen, wird sie von in eine geschlossene Anstalt überführt und somit Handlungsunfähig gemacht: die LAPD hat einen Ruf zu retten und konstruiert den Fund eines vermissten Kindes um vor der Öffentlichkeit wieder besser dazustehen.

Der Film entwickelt sich zu einem politischen Psycho Thriller: die Polizei wird immer weiter als korrupt enttarnt, die damaligen Methoden in der Psychatrie lassen es zu, dass geistig Gesunde wie Kranke unter Umständen „gehalten“ werden, die jeden noch Gesunden in den Wahnsinn treiben müssen und es taucht ein 16-jähriger Junge auf, der von circa 20 Kindermorden berichtet, bei denen er unter der Drohung er müsse sonst auch sterben zur Beihilfe gezwungen wurde.

Die Einsamkeit und Hilflosigkeit der Mutter haben mir beinahe physische Schmerzen bereitet, wozu merkwürdigerweise auch die befremdlich kühle und gefasste Art dieser beitragen. In vielen Szenen habe ich mir pure Hysterie und Panik herbei gesehnt, um die Atmosphäre dem unfassbaren Wahnsinn der sich abspielt gerecht werden zu lassen. Doch die meiste Zeit spielt Jolie ihre Rolle sehr ruhig, was die verhältnismäßig wenigen Emotionsausbrüche umso gewaltiger wirken lässt und den Zuschauer in die Handlung hineinzieht: man möchte für die Mutter schreien, den Polizisten ins Gesicht springen und sie zum Handeln zwingen.

Was mir fehlt: die Analyse der Beweggründe für das Kuckuckskind bei der Polizeilüge mitzuspielen. Der Film hat zwar bereits Überlänge, aber dafür wäre ich gerne auch noch eine halbe Stunde länger gefesselt geblieben.

Fazit: Clint Eastwood hat ein grausam kühles Meisterwerk von einem Psycho Thrillers geschaffen, auch wenn es mir lieber wäre, die Vorlage dafür sei seiner Phantasie entsprungen. Anschauen.

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2 Gedanken zu „Der Fremde Sohn – Changeling

  1. das Etwas sagt:

    Japp, wurde so gemacht.
    Der Sohn ist zB nicht von zu Hause verschwunden, sondern nach dem Kino nicht mehr zurück gekommen. Und ich weiß gerade nicht mehr wie das im Film war, aber der 16-jährige „Mittäter“ war nicht mit dem Mörder bekannt, dafür war wohl die Mutter des Mörders an mindestens einer Tat beteiligt.
    Aber was geändert wurde, macht es nur einfacher dem Film zu folgen und an den wichtigsten Punkten wurde wohl nicht viel verdreht.

  2. Sebastian sagt:

    🙂
    dank Kulturzeit weiß ich zu berichten, dass einige Dinge etwas für das Kino „aufgepeppt“ wurden…
    was jedoch dem Film, soweit ich es mitbekommen habe, zum Guten reicht…

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