Re-cycle

re_cycle_c1

Gestern habe ich Re-cycle gesehen.

Ich muss sagen, dass ich nachdem mir zu dem Film geraten wurde und ich etwas recherchiert hatte, sehr große Erwartungen an ihn gerichtet hatte: Ein äußerst kunstvoller Horrorfilm also, der nach der ersten halben Stunde immer mehr in Richtung sehr düsterem Fantasy driftet. Schön. Eine junge Schriftstellerin, die ein Buch über Geister schreiben will und plötzlich selbst Paranormales erlebt. Was sie schreibt, scheint sich für sie unmittelbar in die Realität zu verwandeln, doch irgendwann kippt dies und die Realität überholt ihre Schrifstellerkünste. Sie gerät immer weiter in diesen Sog und findet sich bald in einer fremden, grausamen, kalten und toten Welt wieder. Der Welt, in die all das gerät, was in unserer Welt vergessen wurde.

Ich war begeistert und musste ihn so bald wie möglich sehen, obwohl ich kein Horrorfan bin. Es sollte sich ohnehin herausstellen, dass Re-cycle mit gewöhnlichem Horror recht wenig zu tun hat. Dennoch funktionierten in der ersten Filmhälfte die Schockmomente bei mir hervorragend, allerdings weniger wegen der Handlung an sich als wegen der erschreckend überzeugenden Schauspielleistung der Hauptdarstellerin Angelica Lee Sum-Kit deren Angst scheinbar barrierelos auf mich überging. Nachdem ich mich allerdings an diese Grundanspannung gewöhnt hatte, begann ich daran zu zweifeln, ob Re-cycle tatsächlich so viel bieten konnte wie erhofft.
Was das Bildspektakel angeht: Ja, auf jedenfall. Und noch viel mehr. Der Film besteht zu geschätzten 75% aus aufwendigen und gut gemachten Animationen (abgesehen von den Zombiemassen, die auch aus Braindead hätten stammen können). Die erdrückende Stimmung in der Fantasywelt wird auch durch beinahe kitschig anmutende Szenen, in fast farbloser Natur erzeugt, die für mich die schönsten Bilder des Films abgaben, und welche immer wieder von umso erschreckenderen Szenen jäh gebrochen werden.

151

Dennoch läuft die Story immer weiter absehbar auf einen Schluss hinaus, der mir so gar nicht schmecken wollte: 

Die Art wie das Thema „Abtreibung“ angerissen wurde, das in einem möchtegern rührenden Showdown Überhand gewinnt, hat mir den Film am Ende völlig verdorben. Nach einer panischen Reise durch einen riesigen Uterus-Tunnel in dem in dieser Welt die abgetriebenen und vergessenen Föten leidvoll heranwachsen; stellt sich heraus, dass das Mädchen, welches Lee aus der Welt heraushelfen will, ihre vor 8 Jahren abgetriebene Tochter ist. Jaja. Rührend. Spätestens als es zu „Mami, Mami. Warum wolltest du mich nicht? Jetzt ist es zu spät.“ und „Du hast gesehen in welcher schrecklichen Welt die abgetriebenen Föten wachsen.“, kam, habe ich innerlich zu kochen begonnen.

Falscher Rahmen für so ein Thema. Falsches Jahrhundert um es so einfach in einer flapsigen Nebenhandlung zwischen Zombies und noch mehr zerfetzten Zombies als falsch abzutun.

Und viel zu Schade um einige wirklich schöne, düstere, bezaubernde Bilder, eingesperrt in einem Film, den ich dieser Thematik wegen einfach nicht mehr empfehlen kann und will.

20

Advertisements
Getaggt mit , ,

3 Gedanken zu „Re-cycle

  1. das Etwas sagt:

    Wie versteckt gesagt: die Bilder lohnen es einem Teilweise.
    und zum „Filmschaffenden“: das waren sogar 2 ;).
    Die Pang Zwillinge nämlich. Von denen ist wohl unter anderem auch „The Eye“, den habe ich aber selbst noch nicht gesehen.
    Und was das päpstliche Thema angeht:
    Habe in einem Artikel zu dem Film gefunden, dass die beiden scheinbar auf einer Pressekonferenz dafür gerügt wurden Abtreibungsbefürworter zu seien. Ich weiß nicht wie die darauf kommen, beim besten Willen nicht. Der Film lässt den genau gegenteiligen Schluss zu.
    Ihre Antwort darauf war, sie stünden dem Thema „neutral“ gegenüber.
    a) Dass ich nicht lache!
    b) Zu so einem Thema hat man mit fortgeschrittenem Erwachsenenalter einfach eine Meinung zu haben ;)….

  2. Sebastian sagt:

    Da hat sich der Filmschaffende scheinbar an die Papstworte zu dem Thema Gummihütchen gehalten….

    aber die Bilder machen schon Lust mal reinzuschaun…

  3. bullion sagt:

    Siehste mal, der Film hat mich bisher auch immer interessiert, ich bin jedoch nie dazu gekommen ihn mir anzusehen. Dabei wird es nun wohl auch bleiben. Die Thematik war mir bisher nicht bewusst und ich hatte „nur“ mit einem Fantasyfilm gerechnet. Schade.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: