Muriel Barbery – Die Eleganz des Igels

Wie zu lesen? In einem Atemzug. Allein.

Wenn ich während der letzten Seiten eines Buches das Gefühl bekomme, dass sich mein Herz beim verzweifelten Versuch langsamer zu schlagen, in mir ausdehnt, spätestens dann weiß ich, dass dieses Buch in die Reihen meiner Liebsten eingehen darf. Bei Die Eleganz des Igels war es nicht einmal mehr möglich, das Ende durch langsames Lesen hinauszuzögern. Spätestens ab der Hälfte des Buches war ich so gierig nach den Wortspielereien von Barbery geworden, dass ich das Buch für keine Sekunde mehr zur Seite legen wollte.

Barbery schreibt in Tagebuchform aus der Sicht von Renée, einer Frau in mittleren Jahren, die als zurückgezogene Concierge das Haus einiger stinkreicher Familien verwaltet, die sie behandeln wie… Na, wie ihre Hausmeisterin? Nein, eher wie einen Goblin, der schon ein wenig müffelt und nicht nett aussieht, den man also am liebsten übersieht und dennoch duldet, weil er eben den ganzen Hausverwaltungsmist für einen besorgt… blabla.  Das allein wäre nun ja noch nichts besonderes, das psychologisch Interessante an der Geschichte ist: Renée will es so und nicht anders. Denn sie, die sich nicht nur für Philosophie, sondern auch für europäische und ganz besonders Japanische Kultur interessiert, versucht alles um ihr Bild einer etwas unterbemittelten Concierge nach außen zu wahren, um ihre Ruhe von den Menschen zu haben und sich voll und ganz ihrer Lektüre widmen zu können. Ach, und dann sind da noch die „tiefgründigen Gedanken“ Tagebücher von Paloma, 12, die im gleichen Haus wohnt, aber nicht mehr lange. Denn an ihrem 13 Geburtstag will sie dieses miese Reichenhaus anzünden und sich danach umbringen. Denn sie hasst ihre ungebildete Familie, besonders ihre ältere Schwester, vor denen sie sich nicht verstecken kann und will ihnen ihren größten Schatz nehmen: ihre Besitztümer. Intelligent, böse und unglücklich, das arme Ding. Aber äußerst sympathisch :).

Um es euch schmackhaft zu machen, eine Musikbeschreibung von Renée, die es mir angetan hat. Achso, und natürlich die passende Musik dazu.

Es ist der Tod von Dido, in Dido und Aeneas von Purcell. Wenn sie meine Meinung hören wollen: das schönste Gesangswerk der Welt. Es ist nicht einfach schön, es ist erhaben, und das liegt an der unglaublich dichten Folge der Töne, als wären sie durch eine unsichtbare Kraft miteinander verbunden und als würden sie, obschon sie sich voneinander abheben, miteinander verschmelzen, an der Grenze der menschlichen Stimme, fast im Bereich der animalischen Klage – jedoch mit einer Schönheit, die die Schreie der Tiere nie erreichen werden, einer Schönheit, die aus der Zersetzung der Lautbildung entsteht und aus der Mißachtung der Sorgfalt, die die verbale Sprache normalerweise darauf verwendet, die Töne unterscheiden. Den Fluß durchbrechen die Töne verschmelzen. Die Kunst ist das Leben, jedoch in einem anderen Rhythmus.

Und zum Abschluss noch die Erklärung, warum das Buch alleine zu lesen ist: Neben vielen philosophisch anmutenden Stellen, gibt es einfach viel zu viele, die einen zum Glucksen und vor sich hinlächeln bringen. Oder zum laut kichern in meinem Fall. Links von mir Lesender hat sich dadurch eventuell gestört gefühlt, ich weiß es nicht. Vll wurde er auch neidisch auf mein Buch, weil ihn seines nicht zum Lachen und Weinen und Glucksen und und und gebracht hat. Reizend.

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Ein Gedanke zu „Muriel Barbery – Die Eleganz des Igels

  1. iveta sagt:

    alles stimmt:)) danke fur die musik!:)

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