Warten auf Godot

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Nachdem ich gestern den ganzen Morgen an meiner Hausarbeit saß und versucht habe über Kultur zu schreiben (nur wegen des sujets evtl nicht ganz so wirr wie es mir hier erlaubt ist), war ich gestern Nachmittag schon ganz kribbelig in der Erwartung meine Portion wirkliche Kultur und diese in Reinform, im Inseltheater Karlsruhe, verpasst zu bekommen. Einen Samuel Beckett wollte ich, seit er mir im Studium das erste Mal über den weg lief, schon immer mal sehen. Düster. Alles verneinend. Grausam.

Schön, das kann doch nur ein netter Abend werden, habe ich mir gedacht. Es ist wirklich schrecklich zu warten. Es gibt sogar kaum etwas, das ich mehr hasse. Am Bahnhof. Darauf abgeholt zu werden. Auf einen Termin. Oder einfach nur darauf, dass etwas passiert. Noch schrecklicher ist es aber, anderen beim Warten zuzusehen. Und nichts anderes wird in dem Stück dargestellt. Immer und immer wieder lange Sprech- und Aktionspausen, dann die Frage: „Komm. Lass uns gehn, ja?“ – “ Wir Können nicht!“ – “ Warum nicht?“ – “ Wir warten auf Godot!“ -“ Aach, ja…“ . Die Charaktere sind also, entrissen jeden Zeitgefühls und Dank einer lückenhaften Erinnerung, gezwungen mehrere Abende (oder Wochen? oder Monate? oder Jahre? – ganz klar wird das nicht) auf einen Herrn Godot zu warten, von dem niemand so recht weiß wann und ob er überhaupt kommt, bzw. um wen es sich dabei wirklich handelt. Jede Beschäftigung dient dabei nur dazu die Zeit schneller vergehen zu lassen, wodurch sie sich für den Zuschauer nur weiter dehnt wie zäher Kaugummi. Es drängt sich der Vergleich mit dem Glauben daran auf, dass irgendwann Gott – nicht Godot – erscheint um dem Leben Sinn zu geben.

Am Ende dieses 2 Stunden Stücks, welches eher wie 4 Stunden wirkt, geben die beiden ihr Warten auf. Schön. Es war allerdings trotzdem ein netter Abend. Langweilig.  Zäh.  Sinnraubend. Und trotzdem schön. Warum? Weil es viele unschöne Fragen aufwirft, über die ich mich immer freue und weil man so „zauberhafte“ Szenen wie

„Mach dass er denkt!“ – „Dann gib ihm deinen Hut.“ – „Warum?“ – „Er braucht einen Hut um zu denken!“

oder „Wir sind alle verrückt geboren, manche bleiben es.“

oder “ Einestages war ich blind, einestages war er Stumm. Was soll das ganze Gefrage nach dem wann????“

als Souvenir mit nach Hause nehmen darf.

Und vor allen Dingen: Weil ich es scheinbar schaffe meinem Leben etwas mehr Sinn einzureden als Mr.Beckett es konnte.  Spricht dagegen, dass ich jemals eine ähnliche Schrifstellerkarriere wie er bestreiten könnte, spricht aber auch dagegen, dass ich mich irgendwann mit schweren Depressionen in Pariser Kellerwohnungen verkrieche und doch zu feige bin der Sinnlosigkeit ein Ende zu bereiten.

Ich für meinen Teil, lese mir jetzt mal die OV (ok.. nicht ganz. Waiting for Godot finde ich original genug, auch wenn er es seiner Zeit nicht in seiner Muttersprache sondern als En attendant godot geschrieben hatte).

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